[zurück zur Startseite]


Dwerhagen, Louise Marie

* Bremen 18.11.1805, + Braunschweig 22.05.1887, [] Hannover-Döhren
, Internet: www.waldesnacht.de/Auszug Chronik Louise Dwerhagen.pdf
Getauft: am 18.12.1805 in Bremen.Paten: Anna Louise GROVERMAN GEB.LENGERCKEN, VON ; Anna Maria DWERHAGEN GEB.BECKMANN .


Sie verfaßte Teile der Bünemannschen Familienchronik, den letzten Teil am 30.8.1885 mit 79 Jahren.
Von ihr existiert ein schönes Tagebuch (Initialen B.G. = ihr Großvater) mit Malereien und Zeichnungen.
Sie wohnte zunächst mit ihrer Mutter bei der verwitweten Großmutter.
Sie kam nach Privatunterricht mit 13 Jahren in die Schule von Betty Gleim.
1834 schildert sie in einem Brief aus Stolzenau an ihre Mutter das Leben mit ihrem einjährigen Sohn Gustav.
Im Sommer 1841 reiste sie mit ihrem 8jährigen Sohn Gustav für 8 Wochen ins Seebad Norderney, später auch mit den Geschwistern.
1886, nach dem Tod ihres Mannes, zog sie nach Braunschweig.
Ihr Sohn Gustav schreibt in der Chronik:
"Unsere Mutter wußte den Vater oft unbemerkt zu leiten, obgleich sie stets im Äußeren nachgab. Uns Kindern ist von klein auf ein großer Respekt vor dem Vater eingepflanzt worden... Unsere Domestiken waren in jener Zeit gut und brauchbar. Sie blieben öfter bis zu ihrer Hochzeit bei uns. Gute Dienstboten sind das halbe Leben."
Stammfolge vgl. Genealog. Jahrbuch Bd.23
Der Erbschein des Hzgl. Braunschw. Amtsgerichts v. 10.9.1887 ist erhalten.Sohn

Familienchronik:
"1. Ludolph David war Euer Aeltervater. Er war verheirathet mit Marie Dorothea Lüderitz und starb als Kriegssecretair im Jahre 1791. Er wurde von Unterofficieren zu Grabe getragen; in den Ausgabe-Registern sind auch Citronen bemerkt, die damals den Trägern verabfolgt wurden. -
Er hinterließ nur ein Kind, Anna Sophie Eleonore, Eure Großmutter, damals 12 Jahre alt. Seine Witwe lebte bis 1797 und führte bis dahin die Vormundschaft über ihre Tochter, zu deren Erziehung ihr ein Gnadengehalt von 150 Rthlr. bewilligt war. Dann ging die Vormundschaft in die Hände der Großmutter, verwitwete Canzlistin Lüderitz, über, die bis 1799 lebte und welcher der Oberamtmann Wehner als Mitvormund zur Seite stand und in dessen Hause zu Wennigsen Eure Großmutter, wie schon erwähnt, einige Jahre sich aufhielt. Das Vermögen, welches auf dieselbe überging, stammte von mütterlicher Seite her, nicht vom Vater.
Es sind einige Briefe des Kriegssecretair Wehner und seiner jungen Gattinn an die Eltern der letztern vorhanden, in welcher sie eine zwei Jahre nach ihrer Vermählung unternommene Reise beschreiben. Ihr kleines Hannchen wurde unterdeß von den Großeltern gehütet. Diese Berichte sind, wie mich dünkt, von doppeltem Interesse für uns. Einmal schildern sie die Art und Weise, wie reiselustige Leute damals ein so großartiges Unternehmen ausführten, die im Zeitalter der Eisenbahnen und Dampfböte fast seltsam erscheint, und dann zeigen sie die naive Freude an allem, war ihnen (auch in den kleinsten Oertern) unbekannt oder sehenswerth vorkam, und den Genuß, den ihnen das Reisen selbst, das Fortkommen von einer Station zur andern gewährte."


Ein Abkömmling war Freg.-Kapitän Gustav Wehner, im Mai 1936 wohnhaft Berlin W 15, Düsseldorferstr.23.
oo Bremen 12.06.1832 Franz Bünemann

Quelle: Titel: Chronik der Familie Bünemann, Autor: Louise Dwerhagen e.al., Original bei Hermann Bünemann, geb. 1916, Zitat: Im Jahre 1827 im November kam er nach Zeven, wo er im Allgemeinen recht gern war. Doch sehnte er den Zeitpunkt herbei, wo er als wirklicher besoldeter Beamter angestellt würde. Dies geschah zu Ostern 1832. Er kam als Dritter Beamter mit 300 Thlr. Gehalt in Conventionsmünze aufs neue nach Stolzenau. Hier nun konnte er seinen Hausstand gründen und mich zu seiner Gattin nehmen, da sein Vater und meine Mutter einen Zuschuss zu seinen - auch bei den dortigen und damaligen billigen Preisen der Lebensmittel allzu geringen - Einnahmen bewilligten.
Ich hatte bis dahin fortwährend mit meiner guten Mutter im Hause der verwitweten Großmutter Grovermann in Bremen gelebt und schöne Jugendjahre genossen. Der Heimgang meines Großvaters, dessen Bild in schönen Zügen unauslöschlich in mein Herz gezeichnet ist und dessen Tod einen tiefen Eindruck auf mich machte, hatte in den äußeren Verhältnissen nichts geändert. Denn meine Großmutter setzte mit dem Compagnon, Herrn Ulrichs, in denselben Räumen das Geschäft fort, indem das Comptoir in ihrer Wohnung blieb und die Packhäuser in alter Weise zu diesem überseeischen En-Gros-Geschäft benutzt wurden.
Ein halbes Jahr vor dem Tode meines Großvaters bekam ich zuerst regelmäßigen Schulunterricht in der neu errichteten Schule von Betty Gleim, die ich fast drei Jahre besuchte. Ich war schon 15 Jahre alt und erkannte bald, dass meine in Privatstunden gewonnenen Kenntnisse sehr gering waren. Um so anziehender war mir alles Neue, was ich sah und hörte. Und ich lernte mit Freude und Ausdauer. Die geniale Lehrerin Sophie Lasius übte im Verein mit vielen trefflichen Mitschülerinnen den wohltätigsten Einfluss auf mich aus. Und die Worte, welche mir die Lehrerin auf den Weg gab: „Legen Sie auf Talente keinen Wert, denn sie gehören der Erde an“, sind mir oft warnend in Erinnerung getreten. Betty Gleim legte es uns beim Abschied dringend ans Herz, an unserer Bildung weiter zu arbeiten, da die Schule nur lehren könne, wie man lernen soll.
Das habe ich versucht und hatte auch in dem langen Brautstande Zeit dazu, da meine liebe Mutter meine Zeit nicht beschränkte. Am liebsten las ich unsere großen Dichter. Ich übte mich auch wohl in schriftlichen Arbeiten, trieb Musik und malte mit Vergnügen Blumen, teils nach der Natur, in Deckfarben. Dass ich aber ernste wissenschaftliche Studien trieb, glaube ich kaum. Nur in die deutsche Grammatik vertiefte ich mich sehr, und es machte mir Freude, den Bau meiner Muttersprache genau kennen zu lernen. Ich unterrichtete nämlich auf die Bitte und unter Anleitung von Sophie Lasius in ihrer Schule mehrere Jahre die unteren Klassen in den Regeln der deutschen Sprache. Jetzthin höre ich, ist dies ganz vom Schulplan gestrichen. Mir erschien die Grammatik unserer Sprache früher als ein gutes Bildungsmittel, aber die Zeiten ändern sich.
[...]

Jetzt bin ich aber 76 Jahre geworden, und so wird es wohl Zeit, dass ich mich ernstlich ans Werk mache, um Euch wenigstens die hauptsächlichsten Notizen zu hinterlassen. Kann ich dann später noch ausführlicher hinzufügen, so werde ich es gern nachtragen.
Euer Vater, bis dahin nur Supernumerar-Assessor, bekam, wie schon erwähnt, im April 1832 seine Anstellung als Dritter Beamter in Stolzenau, mit 300 Tlr. Gehalt, das aber Ende des Jahres auf 400 und 1837 auf 600 Tlr. erhöht wurde. Am 12. Juni 1832 wurde unsere Hochzeit im Hause meiner Großmutter, bei der meine Mutter wohnte, im Kreise von Freunden und Verwandten gefeiert, nachdem unser Brautstand 9 Jahre gewährt hatte. In Stolzenau a. d. Weser wurden unsere 4 ältesten Kinder geboren:

- am 23. März 1833 Rudolph Gustav Friedrich
- am 2. Januar 1835 Carl Theodor Ferdinand
- am 7. Juni 1836 Anna Sophie Louise
- am 4. Juli 1839 Johannes Julius Ulricus
und später in Borstel
- am 27. November 1843 Johanne Marie Charlotte.

Randnotiz:
Dr. Gustav Friedrich und Carl Theodor B. liegen auf dem Friedhof in Stolzenau begraben.

Zwei Jahre nach unserer Verheiratung starb unsere liebe Großmutter Grovermann in Bremen. Meine Mutter, welche dieselbe bis dahin treu gepflegt, half erst beim Ordnen ihres Nachlasses und zog dann zu uns nach Stolzenau, wohnte aber nicht in unserem Hause, weil die von uns gemietete Etage zu beschränkt war.

Euer lieber Großvater Bünemann entschlief am 1. Oktober 1837 für uns ganz unerwartet, da wir nur von einer leichten Erkrankung wussten. Euer Vater arrangierte sich mit Tante Lottchen über die Erbschaft in solcher Weise, dass sie in Hannover bleiben konnte, wo sie erst ein Haus kaufte zum Abvermieten und nachher selbst eines baute und eine Zeit lang mit bewohnte. Beide Häuser verkaufte sie später wieder ohne Schaden, wie ich früher schon angedeutet.

Anfang Oktober 1839 wurde Euer Vater als Zweiter Beamter nach Achim versetzt, erst mit dem Titel Amtsassessor, dann Amtmann. Es war damit eine wesentliche Verbesserung seiner Einkünfte verknüpft. Auch war es ihm lieb, die ihm lästig werdenden Criminalia zu verlieren.


Louise Marie Bünemann setzt ihre Chronik fort (1885)

Wieder sind einige Jahre verflossen, schmerzliche, wehmütige Jahre, denn ich stehe jetzt im Witwenkleide vor der Aufgabe, dies Buch weiterzuführen. Am 21. Mai 1882 ist mein geliebter teurer Mann eben vor unserer Goldenen Hochzeit mir in die ewige Heimat vorangegangen, langsam schwächer werdend, 82 Jahre alt. In den letzten drei Jahren nahm er geistig und körperlich immer mehr ab. Es war ein schmerzlicher Anblick. Nie aber verließen ihn seine Liebe zu mir, seine Güte und Geduld, selbst nicht in den letzten Stunden seines erlöschenden Lebens, als sein Geist nicht mehr klar war. Mit welchen Gefühlen des Dankes und der Liebe gedenke ich seiner! Gott schenke uns ein beglückendes Wiedersehen! Lange wird es nicht währen, bis Ihr mich an seiner Seite bettet, denn ich fühle, dass die Jahre meine Kraft und meine Gesundheit schwächen. Aber Gott hat meinen Geist noch frisch und klar erhalten, möge dies so bleiben bis zum Ende. Sein Wille geschehe!

Ich habe meine Aufzeichnungen bis zu Eures Vaters Anstellung in Achim geführt und nehme nun den Faden wieder auf. Es war in den ersten Tagen des Oktobers, als wir in Achim ankamen. Da es dort aber keine Official-Wohnung für den 2. Beamten und überhaupt kein passendes Unterkommen für uns gab, waren wir froh, auf dem nahen Gut Borstel das altersschwache Haus mit Garten, Flur und wiese zur Miete zu bekommen. Zwar war die Entfernung vom Gericht beschwerlich für Euren Vater, mir wurde der unruhige Landhaushalt trotz der Unterstützung Eurer lieben Großmutter zuweilen etwas lästig. Und unsere Wohnung lag recht einsam.
Aber für Euch Kinder wurde Borstel, das mit seinen Blumen, Laubgängen und Wiesen mitten in der Heide lag, wie eine Oase in der Wüste, das Paradies Eurer Kindheit. Wer von Euch könnte das vergessen? Wie genosset Ihr die ländliche Freiheit, grubt Festungen, fingt Schmetterlinge, bautet im Winter Schneemänner und Wälle, liefet Schlittschuh auf der Grafft, die unseren Hof umgab. Welche Feste waren die Fahrten ins Holz, um Bickbeeren oder Champignons zu sammeln, oder das Abbrennen kleiner Feuerwerke. Wie reichlich reiften uns Früchte aller Art entgegen! Und welche Lichtblicke waren Euch die Geburtstage Eures Vaters oder auch die meinen, wo Ihr Euch wochenlang vorbereitetet, ihn durch kleine Aufführungen heiterer art zu überraschen. Wie erfreuten wir Eltern uns auch daran und die liebe Großmutter. Und wie pflegte Euer Vater herzlich zu lachen, während Tränen der Rührung in seinen Augen glänzten. Ja, es war eine schöne Zeit auch für uns Alte. Und alle diese Freude im Familienkreise machte es uns leichter, Umgang mit Anderen nur selten zu genießen.

Als wir nach Borstel kamen, wurde es Zeit, dass Gustav und Theodor Unterricht bekamen. Zuerst übernahm dies ein Lehrer in Achim, dann hatten wir zwei Jahre einen Seminaristen bei uns. Und dann kam Hans Soltmanns, der jetzt als Superintendent in Hardegsen steht, und blieb als Hauslehrer in unserem Kreise über zehn Jahre. Natürlich wurde unsere Häuslichkeit durch seine Anwesenheit sehr belebt. Und sein herrliches Klavierspiel bereitete uns manche schöne Stunde. Nach und nach entwuchsen aber Gustav und später auch Theodor seinem Unterricht und kamen auf das Gymnasium in Verden. Wie weh tat uns diese erste Lücke, die dadurch in unserem kleinen Familienkreis entstand. Es war aber ein Trost, dass Verden uns durch die erst kürzlich angelegte Eisenbahn so nahe gerückt war, dass die Söhne auch die kürzeren Ferien bei uns zubringen konnten. Diese beiden ältesten Knaben waren in Achim konfirmiert. Für Sophie hielten wir das nicht so passend und freuten uns, als eine liebe Verwandte von mir, Frl. Louise von Lengerke in Bremen sie für einen Winter zu sich nahm, um dort den Religionsunterricht von Pastor Petri zu genießen und von ihm konfirmiert zu werden. Dies geschah vor Ostern 1851.

Als wir Eltern, die Brüder und Herr Soltmann dort mit Sophie in dem herrlichen Dom, in welchem auch ich eingesegnet war, zum Hl. Abendmahl gingen, konnte auch ihre alte liebe Großmutter daran teilnehmen. Es war eine schöne erhebende Feier!

Ein Jahr später, am 10. Mai 1852 wurde diese liebevolle treue Mutter durch einen sanften Tod von uns genommen, nachdem sie einige Monate leidend gewesen und immer schwächer geworden war. Wir brachten ihre irdische Hülle, wie sie es bestimmt hatte, nach Horn bei Bremen und betteten sie dort an der Seite meines treuen Vaters. Ihr lieben Kinder werdet ihr gewiss ein herzliches und dankbares Andenken bewahren und die aufopfernde Liebe, mit der sie Euer Wohl im Herzen trug, nicht vergessen. Mir war sie mein ganzes Leben die liebreiche Mutter, die treueste Hilfe und Stütze in meinem unruhigen Haushalt und ein Vorbild in Fleiß und Sparsamkeit und in selbstlosen einfachen Ansprüchen.

Ehe ich mich in meiner Erzählung von Borstel trenne, muss ich noch einige Jahre zurückgreifen und Euch daran erinnern, dass wir damals Louise Wolkenhaar (jetzige Dannenberg) zu uns nahmen, um ihrer verwitweten Mutter die Erziehung von sieben Kindern zu erleichtern. Wir versprachen, sie bis nach der Konfirmation zu behalten. Ihr wisst aber, dass sie länger bei uns blieb und später abwechselnd aus fremden Häusern, in denen sie sich nützlich machte, zu uns zurückkehrte. Damals war sie acht Jahre alt und lernte bald, uns als ihre Pflegeeltern zu lieben. Marien aber schloss sie sich in zärtlicher schwesterlicher Hingebung an. Auch jetzt nach ihrer Verheiratung mit einem braven Mann ist unser Verhältnis ein liebevolles geblieben. Und ich freue mich ihres Glückes von Herzen.

In den Rahmen jener Zeit gehört auch noch das Bild unseres lieben guten Minchen, die schon in Stolzenau zu uns kam, als Gustav drei Wochen alt war, und Euch Kinder alle so treu und umsichtig, ja mit Aufopferung gepflegt und gehütet hat und mir 17 Jahre mit seltener Zuverlässigkeit und Hingebung, manchmal wie ein hilfreicher Engel zur Seite stand. Besonders wenn sich bei Euch Kindern Anfälle des bösen Crouphustens, denen Ihr oft unterworfen wart, wiederholten. Wie Ihr wisst, heiratete sie nach dieser Zeit, 1850, unseren damaligen Kutscher Wilhelm Rumsfeld, der noch in unserem Dienst bis 1859 blieb. Dann zogen sie nach Achim, wo sie noch leben und mit ihrem Sohn und dessen Frau und Kindern sich von einem Ladengeschäft zu ihrer Zufriedenheit ernähren.

Im Oktober 1852, als im Königreich Hannover die Verwaltung von der Justiz getrennt wurde, bekam Euer Vater die Anstellung als Amtsrichter in der Stadt Rehburg. Zwar sagte ihm die Unabhängigkeit dieser Stellung zu, er hatte aber eigentlich gewünscht, in die Verwaltung zu treten. Überdies sprach ihn und die ganze Familie das Leben in diesem schmutzigen, von kleinen Ackerbürgern bewohnten Städtchen nicht an. Der Ort lag einsam, eine Stunde vom Bade Rehburg entfern, wo Vater sich auch nicht gemütlich fühlte. Und außerdem war eine beschwerliche und keineswegs einträgliche Ökonomie mit der Stelle verbunden, die uns lästig wurde.

Euch Kindern ist es bekannt, was uns das Leben in Rehburg an Freude und Schmerz und Sorge in mannigfacher Abwechslung brachte. Und ich möchte Euch bitten, Einzelheiten aus dieser Zeit nachzutragen. Ich bin zu schwach geworden zu ausführlichem Schreiben, und die Vertiefung in diese Erinnerungen greift mich zu sehr an. Sie ist mir zu wehmütig, und ich bin nächstens 80 Jahr.

Sechs und ein halbes Jahr währte unser Aufenthalt in Rehburg. Unser häusliches Leben war so ganz anders als früher. Die Söhne waren alle von Haus, teils auf der Universität, auf der Schule und in Pension. Nur die Ferien brachten sie bei uns zu. Marie und Louise hatten weiblichen Unterricht im Hause. Später änderte sich wieder manches. Gustav verlobte und verheiratete sich. Ich überlasse es ihm, Näheres einzuschreiben. Julius ging nach St. Louis, um dort sein Glück zu suchen. Und auch Sophie verlobte sich noch in Rehburg.

Im Frühling 1859 wurden wieder die Ämter und Gerichte anders eingerichtet. Manche wurden durch Zusammenziehen vergrößert. andere gingen ein, so auch Rehburg. und Vater gehörte zu denen, die vorläufig auf Wartegeld gesetzt wurden und später in Pension. Vater war 59 Jahre alt. Und eben noch war ihm unter der Hand mitgeteilt worden, dass ihm die Amtsrichterstelle in Stolzenau zugedacht wäre. Es war ein Segen für Euren lieben Vater, dass er so rührig und praktisch war und nie um Beschäftigung verlegen wurde. So fühlte er sich wohl und zufrieden, als wir in beiderseitigem Einverständnis nach Hannover zogen (Mai 1859).

Dort war um Michaelis Sophiens Hochzeit mit Herrn Th. Poll. Und einen Monat später wurde uns Tante Lottchen, Vaters Schwester, durch den Tod genommen. Sie hatte sich so sehr gefreut, als wir nach Hannover zogen, und hat es nur so kurze Zeit genossen. Noch kleiner wurde unser Familienkreis, als unser Theodor um Ostern 1860 nach Texas abreiste, um sich bei den Brüdern unserer Schwiegertochter Helene, bei den Herren Heyck, damals in Lanacea zum Kaufmann auszubilden Seitdem sind 25 Jahre verflossen. Was sie uns Eltern an Erlebnissen brachten, bezieht sich fast nur auf Euch Kinder. Denn auch Marie trennte sich später von uns, als sie ihrem Valentin Heyck nach Indianola folgte.

Ob ich noch Mut dazu haben werde, Näheres zu schreiben, ist fraglich. Ich bitte daher Euch Kinder, dass Ihr einzeln Euren Lebenslauf, sei es kurz oder ausführlich, aufschreibt, um diesem Buche hinzugefügt zu werden. Die Wege, auf denen Ihr durchs Leben gegangen seid, sind so verschieden, dass es von Interesse sein wird, auch für spätere Leser, Euch auf denselben zu begleiten. erfüllt Ihr diesen Wunsch, so ist es zugleich ein Akt der Dankbarkeit für die Mühe und Liebe, mit denen Eure Eltern die Chronik Eurer Familie bis dahin zusammengestellt und geschrieben haben.
Hannover, den 30ten August 1885

Vater:Johann Dwerhagen

Mutter:Sophie Grovermann

Geschwister:Charlotte

Gustav

Kinder:Gustav

Theodor

Sophie

Julius

Marie


Erstellt mit dem Programm AHNENBLATT (www.ahnenblatt.de).